Baugebiet Kieler Süden – schon bewohnt in der frühen Eisenzeit

Das Archäologische Landesamt Schleswig-Holstein (ALSH) sorgt im Rahmen seiner denkmalrechtlichen Aufgaben dafür, dass archäologische Denkmale bei Bauvorhaben erkannt, untersucht und dokumentiert werden, bevor sie durch Erdarbeiten beeinträchtigt oder zerstört werden. Grundsätzlich sollen archäologische Denkmale möglichst im Boden erhalten bleiben. Eine Ausgrabung wird erforderlich, wenn durch ein Bauvorhaben archäologische Denkmale betroffen sind. Grundlage hierfür ist das sogenannte Verursacherprinzip. Danach gilt: Wenn ein Bauvorhaben in Bereiche eingreift, in denen archäologische Denkmale vorhanden oder zu erwarten sind, müssen diese vorab untersucht und fachgerecht dokumentiert werden. Ziel ist es, das archäologische Erbe zu sichern, bevor es durch Baumaßnahmen unwiederbringlich verloren geht. In der Praxis erfolgt dies in mehreren Schritten. Zunächst wird eine geplante Baufläche auf Basis vorhandener Daten (beispielsweise aus der archäologischen Landesaufnahme) und siedlungsarchäologischer Kriterien bewertet und dazu eine Stellungnahme abgegeben. Wenn Hinweise auf archäologische Denkmale vorliegen, werden Voruntersuchungen durchgeführt. Diese Untersuchungen klären, ob, wo und in welcher Qualität archäologische Denkmale vorhanden sind. Im Falle des Neubaugebietes im Kieler Süden wurde eine Fläche von rund 8 Hektar zwischen April und Oktober 2025 nach vorausgehenden Voruntersuchungen im Rahmen einer Hauptuntersuchung durch ein Team des ALSH archäologisch bearbeitet.

Insgesamt konnten 255 archäologische Befunde erfasst und wissenschaftlich dokumentiert werden. Die Strukturen wurden mit satellitengestützten Vermessungsgeräten eingemessen und fotografisch dokumentiert. Ergänzend erfolgte die Aufnahme von Profilen sowie die Anfertigung maßstabsgetreuer technischer Zeichnungen. Nach Abschluss der Arbeiten wurden die Dokumentationen sowie die Funde – darunter Keramikscherben, Steinwerkzeuge und Tierknochen – gereinigt, ausgewertet und archiviert.  

Die untersuchte Fläche lag im Randbereich einer Siedlung aus der frühen Eisenzeit. Die Besiedlung der Region bei Kiel-Meimersdorf reichte damit bis etwa 800 v. Chr. zurück. Nachgewiesen wurden unter anderem Abfallgruben, Feuerstellen, Kochsteingruben sowie eine sogenannte Darre, die vermutlich zum Trocknen von Getreide genutzt wurde. Diese Befunde ermöglichten wichtige Einblicke in das Alltagsleben der damaligen Bevölkerung.

Besonders aussagekräftig waren die zahlreichen Keramikscherben, die eine gute zeitliche Einordnung erlaubten. Insgesamt wurden über 5.000 Scherben geborgen, darunter viele verzierte Stücke. Ergänzt wurde das Fundspektrum durch Mahlsteine, Flintgeräte zur Bearbeitung organischer Materialien sowie Tierknochen. Auch verkohlte Getreidereste konnten durch Bodenproben gesichert werden.

Auf Grundlage der Keramikfunde sowie der radiokarbondatierten Getreidereste konnte die Besiedlung der Fläche auf etwa 900–800 v. Chr. datiert werden, also in den Übergang von der späten Bronzezeit zur frühen Eisenzeit.

24 Januar 2024
10 August 2023
15 Dezember 2022
15 Dezember 2022

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